Schabbat – Sonntag – Ruhetag
Vortrag von Arie Rosen an der Willi-Graf-Realschule
Die Gründerin und Leiterin von Kulturellen Begegnungen in Jerusalem, Lea Fleischmann, war im hessischen Schuldienst tätig und hat eine Buchreihe unter dem Titel „Das Judentum für Nichtjuden verständlich gemacht“ herausgegeben. Das Schulprojekt „Schabbat – Sonntag – Ruhetag“ von Kulturellen Begegnungen will der Völkerverständigung dienen, aber auch zugleich die Gestaltung des Ruhetages in unserer heutigen hektischen Zeit reflektieren.
Am Dienstag, 22. Juli, besuchte der Sohn von Lea Fleischmann, Arie Rosen, die Willi-Graf-Realschule und hielt vor 85 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 8 einen eindrucksvollen Vortrag. Eindrucksvoll und anschaulich vor allem deshalb, weil Herr Rosen nicht nur referierte, sondern aus seinem eigenen Leben in Deutschland und in Israel erzählte. Zudem brachte er Kultgegenstände aus Jerusalem mit, die er während seines Vortrages erklärte. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich diese Gegenstände anschließend nicht nur genau anschauen, sondern durften sie auch in die Hand nehmen. Herr Rosen las auch kurze Passagen aus dem Buch seiner Mutter Lea Fleischmann zum Schabbat. Frau Fleischmann hat der Schulleiterin schon vorab ein Schabbat-Set aus Jerusalem geschickt, bestehend aus den Schabbatleuchtern, dem Kidduschbecher, der Schabbat-Brotdecke und der Hawdalakerze. Diese Gegenstände können jetzt jederzeit im Religionsunterricht zur Demonstration eingesetzt werden.
Arie Rosen erklärte den aufmerksamen Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der Gesetze in der Tora und ihre Auslegung im Talmud. So etwa bedeute „Auge um Auge – Zahn um Zahn“ nicht etwa Rache, sondern Wiedergutmachung im gleichen Wert. Den Schabbat verglich er mit den Riten des christlichen Sonntages, die heute vielfach in Vergessenheit geraten sind bzw. nicht mehr praktiziert werden. Er erzählte den Jugendlichen die strenge Einhaltung des Schabbat in MeaSchearim, wo orthodoxe Juden leben. Die sonst viel befahrene Straße dort in Jerusalem sei gesperrt und von Fußgängern bevölkert, weil am Schabbat keine Autos fahren. Man darf nämlich keine Zündung in Gang setzen, d.h. auch kein Feuer machen etwa zum Rauchen. Auch Handys werden nicht eingeschaltet, man schaut kein Fernsehen, denn man soll sich Zeit für die Familie nehmen. Dass auch eine große Fluggesellschaft wie EL AL auf Flüge am Schabbat verzichtet, hat die Schüler erstaunt. Arie Rosen machte aber klar, dass es auch in Israel viele Diskussionen darüber gibt, ob etwa eine Straße wegen des Schabbat gesperrt werden soll, die die nicht praktizierenden Juden benutzen wollen, um schnell ans Meer zur Erholung zu fahren. Vieles sei eine Frage des Kompromisses in der israelischen Politik.
Der Vortrag von Arie Rosen brachte den Achtklässler durch die vielen Beispiele den jüdischen Alltag näher. Es war eine Darbietung für alle Sinne. Die Schülerinnen und Schüler konnten mit verfolgen, wie man die Gebetsriemen, die Teffilin, anlegt, eine Mesusa bewundern, die Gebetskapsel für einen Türrahmen, eine Tora aufrollen und auch an den Gewürznelken in der Besamim-Büchse riechen, die den Duft über den Schabbat hinaus in der Nase behalten lässt. Arie Rosen gelang es sogar, dass die Schülerinnen und Schüler sich trauten ein Kinderlied zum Schabbat kräftig mitzusingen. Auch lauschten sie gespannt den von Arie Rosen gesungenen hebräischen Segensworten.
Arie Rosen erklärte den jungen Zuhörern, dass der Schabbat nicht nur an Äußerlichkeiten auszumachen sei, sondern dass es auch auf die innere Einstellung ankäme. Man könne mit viel Übung mental lernen, am Ruhetag auch seine Sorgen zu vergessen.
Im letzten Teil der Veranstaltung war Raum für die Fragen der Schülerinnen und Schüler. Die Jugendlichen wollten beispielsweise wissen, ob viele Menschen in Israel religiös leben, wie genau die Speisevorschriften des koscheren Essens eingehalten werden und ob man am Schabbat nur eine bestimmte Anzahl an Schritten machen darf, aber sie äußerten auch ihre Besorgnis über den neuen Konflikt in Gaza und wollten wissen, wie Juden, Christen und Moslems in Jerusalem zusammenleben. Arie Rosen ging auf alle Fragen ein und versuchte sie altersgerecht den Jugendlichen zu erklären.
Diese Begegnung mit Arie Rosen wird den Schülerinnen und Schülern sicher in guter Erinnerung bleiben. Sie hat dazu beigetragen, das Judentum besser zu verstehen und Vorurteile abzubauen, vor allem an einem Tag, an dem wieder judenfeindliche Parolen während Demonstrationen in Deutschland zu hören waren.
Die Schulgemeinschaft der Willi-Graf-Realschule bedankt sich ganz herzlich bei Arie Rosen und Lea Fleischmann, die mit ihrem Engagement zu einem friedlichen Miteinander der Völker beitragen.
Auch der Sparkasse Saarbrücken gilt ein ganz besonderer Dank. Beate Zinke hat den Kontakt zu Kulturelle Begegnungen nach Jerusalem hergestellt und die Sparkasse hat alle Kosten für den Vortrag übernommen. Herzlichen Dank.
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